Vor kurzem war ich in Berlin (Jüterbog) und hab einen großartigen Permakultur-Garten besucht. Permakultur ist ein nachhaltiges, von natürlichen Ökosystemen inspiriertes System, das durch das harmonische Zusammenspiel von Pflanzen, Tieren und Menschen dauerhafte, produktive und sich selbst regulierende Kreisläufe schafft. Faszinierend.
Karge Böden und zunehmende Trockenheit machen den Landwirten in dieser Gegend (Fläming) das Leben schwer. Der dunkle Oberboden, in dem sich 90 Prozent des Pflanzenlebens abspielt, hat gerade mal eine Tiefe von 30 cm und ist zudem sehr sandig, so dass Wasser schnell versickert. Es gibt wenig Regenwürmer, Bakterien und Pilze, die in der Lage sind, organische Masse (z.B. Blätter) in fruchtbare Erde zu verwandeln.
Was tun?
Falk Gärtner, der Inhaber dieses Permakultur-Gartens macht unter anderem folgendes:
- Er vergräbt Baumstämme (und anderes organisches Material). Das Holz unter der Erde wirkt wie ein riesiger, langlebiger Schwamm, der Wasser speichert, den Boden kühlt und über Jahre hinweg kontinuierlich Nährstoffe sowie Humus an die Pflanzen abgibt.
- Pilze spielen in seinem Garten eine Schlüsselrolle als unentbehrliche Zersetzer von totem Holz, die den Boden aufbauen, sowie als unterirdische Netzwerke, die Pflanzen aktiv mit Wasser und Nährstoffen versorgen und sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten machen.
Seit ich diesen Permakultur-Garten mit eigenen Augen gesehen habe, habe ich ein Sinnbild für die stoische Philosophie gefunden.
So wie ein lebendiger Permakultur-Boden eine wunderbare Grundlage für Pflanzen und Wachstum schafft, so formt die stoische Philosophie einen geistigen Boden, der den Menschen hält, stärkt und gedeihen lässt.
Beide Systeme begreifen sich als Teil von etwas Größerem und setzen auf die Transformation von vermeintlichem „Abfall“ (z.B. verrottende Blätter oder schmerzhafte Lebenserfahrungen) in nährenden Humus für zukünftiges Wachstum. Am Ende lehren uns sowohl die Stoa als auch der Boden der Permakultur, dass Resilienz und Fruchtbarkeit nicht durch den Widerstand und Kampf gegen die Natur entstehen, sondern durch das tiefe Verständnis und die Akzeptanz ihrer unumstößlichen Gesetze.
Wenn ich jetzt mit Menschen wandern gehe und über den Stoizismus und die Lebenssituationen meiner Wanderfreunde spreche, dann nutze ich das Sinnbild vom Permakultur-Garten.
Wir können unser Fundament so bauen, dass wir nachhaltig so gut wie möglich durchs Leben kommen. Mögen die Umstände auch schwierig sein.
Stoische Permakultur bedeutet wie beim Gartenbau erst einmal Grundlagen-Arbeit. Man muss die stoischen Prinzipien (Tugenden, Charakter, Dichotomie der Kontrolle, Amor Fati etc.) verinnerlichen und üben. Aber das lohnt sich und dann wirkt es nachhaltig.
Die anderen Landwirte in der Gegend betreiben klassische Landwirtschaft mit immer größeren Panzer-Traktoren, die das Mikrobiom zermalmen, wenn es unter die Räder kommt. Pflügen und Überdüngung geben dem Boden-Leben den Rest. Die Landwirte schauen sich die Permakultur an und wundern sich über das, was dort wächst und gedeiht. Und sie respektieren den Permakultur-Hof, vielleicht wenden sie sogar das ein oder andere Permakultur Prinzip zukünftig an und können davon profitieren.
In einem funktionierenden Permakultur-Garten wird nicht gepflügt , nicht einmal gehackt und der Garten muss kaum bewässert werden, außer in seltenen Fällen. Arbeit gibt es immer noch genug (pflanzen, jäten, ernten, Bodenimpfung, Baumstämme und anderes organisches Material vergraben, Jungpflanzen ziehen, Gewächshäuser aufstellen etc.), aber es ist Arbeit im Einklang mit der Natur und nicht gegen sie.
So sollten wir auch unser Leben leben:
Im Einklang mit der Natur.
Vielleicht gefällt dir das Bild vom Permakultur-Boden ja genauso gut wie mir, dann lass es mich gerne wissen und schreib mir!